Schenke dem Internet nicht alle deine Gags! 5 Tipps

5 Tipps für frischen Video-Content!

Neue Comedians in der “guten alten Zeit” des linearen Fernsehens hatten einen riesen Vorteil – der zugleich auch ein Problem werden konnte: sehr hohe Einschaltquoten!

Der Vorteil liegt auf der Hand. Es konnte schon pushen, wenn man in einer Sendung zu Gast sein durfte, die 2 oder 3 Millionen Menschen gleichzeitig sahen.
Bei Formaten wie dem Quatsch Comedy Club, Nightwash oder TV total zur Hoch-Zeit keine Seltenheit.
Plötzlich kannten einen viele Leute, die man anders nie zugleich erreicht hätte. 

Und die kannten jetzt auch die besten Gags der Comedians!

Denn natürlich hat man sein “TV-Set” mit dem Besten bestückt, was man im petto hatte – und die Redaktionen haben daran auch noch mit den Comedians herum gefeilt, um es fernsehtauglich zu bekommen (das machen sie übrigens heute auch noch).

Man konnte sich jetzt zwar die Namen der bekannten Shows in den Briefkopf schreiben und Anfragen von Agenturen entgegennehmen, musste sich aber auch im Klaren darüber sein, dass man in Mix-Shows, für die man angefragt wurde, ein Set von 15-20 Minuten die Regel war (und ist).  

Man hatte also besser noch mehr Material als nur die 5 Fernsehminuten – und zwar in ähnlich guter Qualität! Die, die es nicht hatten, brauchten also schnell neue Gags.

Schnelle, neue Gags sind meist (noch) keine guten Gags. Die Qualität litt, einige mussten sich Gags schreiben lassen  oder fingen gar an, Jokes “zu übernehmen”.

Du kannst dir denken, dass dies meist nicht lange gut ging.

Ein guter Trailer verrät nicht mehr, als er muss

Die Leute, die zu schnell hoch kamen, verschwanden auch oftmals ebenso schnell.
Die, die mehr Geduld hatten, mehr Material erspielten, bevor sie ins Fernsehen kamen, hielten sich –
nicht wenige bis heute. Und sehr viele haben diese Chance nie bekommen.

Heute sind die Möglichkeiten andere. 

Die Technik und das Internet macht sehr viel Möglich, jede(r) kann sich selbst in Szene setzen und viele verschiedene Plattformen mit Videos bespielen, um eine Reichweite zu bekommen. So weit, so verlockend.

Ein Problem bleibt aber: deine Videos sollten bestenfalls “Appetithappen” sein für Leute, die dir folgen und vor allem auch deine Shows besuchen sollen. 

Du solltest immer noch live Überraschungen draufsetzen können.
Die willst du doch nicht schon alles im Trailer verraten wie ein schlechter amerikanischer Action-Film, oder?

Gib den Leuten zwei, drei gute Minuten mit sehr guter Publikumsreaktion aus deinem Programm. Die Zeit reicht locker, damit sich Zuschauer entscheiden können, ob sie dir weiter folgen oder dich sogar live sehen wollen. 

Es sollte natürlich “reifes” Material sein, das du so immer wieder spielst.

Was Comedians noch zeigen können, ohne die besten Gags zu verbraten

“Was soll ich denn bitteschön zeigen, wenn ich meine Gags nicht veröffentlichen soll?”
Gute Frage. Hier ein paar Möglichkeiten:

1| Crowd Work geht immer

Wenn du deine Auftritte filmst, wird es oft Situationen geben, die du so nicht geplant hast. Meist im Austausch mit dem Publikum. Beim sogenannten “Crowdwork” ergeben sich immer wieder neue und meist witzige Situationen, je nachdem, wie die Leute reagieren. Pures Video-Gold! Du zeigst dann zwar keine vorbereiteten Jokes von dir, aber du zeigst DICH und das ist genauso wichtig. Authentizität ist immer ein wichtiger Faktor für Sympathie. Ohne Sympathie keine Lacher – oder hast du jemals über den Witz eines Arschlochs gelacht? 

Crowdwork-Situationen sind live schon oft die witzigsten in einer Show – also funktionieren sie auch im Video als Visitenkarte.

2| Alt, aber noch gut

Nimm einen Clip von einem Gag oder Bit, das du regulär gar nicht mehr spielst.

Nach einer Zeit hat man diese Jokes, die man schon zu oft gespielt hat oder die nicht mehr ganz zu den neuen Themen passen – die aber noch immer gut sind und die man ohne Probleme online stellen kann. 

Comedians, die ein Programm “abgespielt” haben, stellen es heute nicht selten komplett kostenfrei auf ihren Youtube-Kanal – als Service für die Fans und Promozwecke für das neue Programm. So kannst du es eine Nummer kleiner machen – mit einem deiner “durchgespielten” Gags.

3| Er wird immer besser

Andersherum geht es natürlich auch: zeige den Leuten, die dir folgen sollen doch einfach mal die “Evolution” eines Gags. Wenn du viele verschiedene Stadien gefilmt hast, kannst du das gut machen und zeigen, wie sich der Joke und die Reaktion darauf von mal zu mal verbessert. Daraus könnte man auch mehrere Videos machen. 

4| Patzer sehen alle gern

Natürlich sind Pannenvideos immer noch Klassiker. Eine Pointe versemmelt, Mikro kippt um, Ton geht aus, Licht gleich mit – all das bringt meist so gute Reaktionen, zeigt auch ein bisschen den Bühnen-Alltag  und lässt dich wieder authentisch rüberkommen. Wer sehen will, wie es ohne Panne klappt, der soll dich live besuchen kommen.
Hier habe ich ein kleines Beispiel von mir, welches mit in alle den Jahren bisher so noch nie passiert ist!

5| Behind the Scenes

Fast schon nicht mehr vorstellbar, ein Instagram-Account von Comedians ohne Backstage-Stories, Quatsch mit KollegInnen hinter der Bühne, Applaus-Szenen, kurze Interviews, etc. Das alles in Kurzform rundet dein Videomaterial ab und hält die Leute bei der Stange. 

Das Internet vergisst (leider) keinen schlechten Gag

Noch ein Tipp für Newcomer: Auch heute gibt es noch die Comedy-Formate, die zurecht als Meilensteine auf dem Weg vorgegeben sind. Nightwash und der Quatsch Comedy Club gehören natürlich dazu und hier werden auch nach wie vor Newcomer gefördert, nämlich in der Nightwash Talentschmiede und bei den “Hot Shots” vom QCC.

Zumindest bei Nightwash werden die Auftritte von Newcomern auch ins Netz gestellt. 
So zeigt sich dann leider öfter, für wen dieser Schritt zu früh kommt, wer noch nicht in seinem Material ist und entsprechend fällt dann nicht nur der Auftritt aus, sondern leider auch die Kritik der “Experten” auf Youtube & Co.

Ich kenne einige, jetzt gestandene Comedians, die noch unter der einen oder anderen “Jugendsünde” leiden, die immer noch im Netz herumschwirren und die so rein gar nichts mehr mit dem teilen, was sie heute an Themen und Qualität zu bieten haben. Diese Clips bringen sie teilweise heute noch in Erklärungsnot.

Mein Rat ist, sich ein bisschen mehr Zeit für sich und sein Material zu geben, bevor man sich mit diesen Schritten befasst. Niemand, der vielleicht nur 20-30 Auftritte überhaupt hatte, wird dort überragend gut aussehen. Man macht sich so nur das Leben schwer und könnte mit etwas mehr Geduld und einigen “Fahrstunden” mehr auf der Bühne, solche Prüfungen wesentlich besser bestehen.

Fazit

Halte deine Follower hungrig und zeige ihnen nicht immer alles, was du hast. Sie müssen bei deinen Auftritten immer wieder überrascht werden. Nutze die 5 Tipps für Content um ihnen zu beweisen, dass Comedy live immer noch am besten ist!

Übrigens: Kennst du schon Demetri Martin? Hier stelle ich ihn vor!

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