So organisierst du deine eigenen Comedy-Shows!

Show mit Publikum
Die richtige Location ist die halbe Miete

Viele, die abseits größerer Städte ihre Comedy-Laufbahn starten wollen, kennen das Problem:
es gibt einfach keine oder viel zu wenig Auftrittsmöglichkeiten. Was tun, wenn Shows fehlen?

Natürlich sollte man sich anfangs nicht davon abhalten lassen und auch die “langen Wege” gehen – jede und jeder wird dir von stundenlangen Fahrten quer durch die Republik für 5-10 Minuten-Auftritte erzählen, für die es dann zwei Getränkemarken gibt.

Auch das gehört dazu und ist die Mühe wert, wenn es eine gute Bühne, samt professionell geplanter Show und aufmerksamen Publikum ist. Oft ist es das alles aber auch nicht – aber man bringt vielleicht eine neue Punchline mit nach Hause. Hier muss jede(r) eigene Erfahrungen sammeln.

In der Comedy-Gemeinde sprechen sich die “guten Shows” auch rum und daher sei nochmal der Hinweis erlaubt, sich ein gutes Netzwerk an Kolleginnen und Kollegen aufzubauen, um hier Reinfälle, sagen wir, zu minimieren.

Wer sich nun seine ersten Sporen auf diversen Bühnen verdient und richtig Blut geleckt hat, wird schnell mehr Auftrittszeit benötigen. Du gehörst dazu?
Dann solltest du dir überlegen, eine eigene Comedy-Show aufzuziehen!

Nix los? Dann mach was los!

Natürlich rede ich hier nicht von einer Solo-Show – es sei denn, du hast mindestens eine gute Stunde Programm, das funktioniert. 

Und ich meine auch keinen Halb-Solo-Abend, den du dir mit jemanden teilst –  es sei denn, du hast mindestens eine gute dreiviertel Stunde Programm, das funktioniert. 

Das ist jedenfalls nicht ratsam, wenn du gerade mal 20 Auftrittskerben in deinen Comedy-Gürtel ritzen konntest.

Starte am besten mit einer kleinen aber feinen Mix-Show

Auch dafür solltest du, wie gesagt, schon einige Auftritte gemacht haben und dir vielleicht auch Tipps von Leuten holen, die selbst organisieren und moderieren.

Es ist nicht ratsam ohne jede Erfahrung in diesem Bereichen loszulegen, denn alle Fehler, die du unnötigerweise machst, haben nicht nur Auswirkungen für dich, sondern auch für deine Gäste in der Show und für die Location samt BetreiberInnen.

Wenn du aber so weit sein solltest, Bock darauf hast und in deinem “Kaff” nichts in Richtung Comedy los ist, dann mach was los! 

Der erste Schritt ist natürlich eine geeignete Location zu finden. Oft ist es gar nicht so schwer, etwa Gastronomen für diese Idee zu gewinnen, vor allem, wenn dort schon Veranstaltungen laufen. Zumal eine Stand up Comedy Show recht einfach umzusetzen ist.
Eine kleine Bühne, ein Mikro, ein paar Stühle – fertig.

Schmidtchen Theater Hamburg

Fragen kostet nichts, allerdings sollten die Räumlichkeiten passen.

Was du für den “richtigen Raum” alles beachten
musst, habe ich in diesem Artikel beschrieben:

Der richtige Raum für Comedy

Wenn die Voraussetzungen hier  passen, fein. Allerdings ist noch eine Sache meiner Meinung nach ebenso notwendig wie der richtige Raum: 
Die BetreiberInnen müssen ebenfalls Bock haben auf eine Comedy-Show!!!

Ich mache hier extra drei Ausrufezeichen, weil es so oft der Knackpunkt ist.
Einen Gastronomen zu einer Show „zu überreden“ ist keine gute Idee – da muss schon direkt der Funke überspringen und auch eine Zusammenarbeit stattfinden.

Natürlich sehen Gastronomen die Planungen einer Veranstaltung aus einem anderen Winkel als du.
Für sie ist es erstmal eine Kostenrechnung. Mehr Personal, der Raum wird geblockt, eventuell muss beworben werden, etc.

Wenn du aber an jemanden gerätst, die oder der selber Comedy mag und die Möglichkeit sieht, bei einer Show in der Woche 30-50 Leute mehr in den Laden zu bekommen, dann ist das eine gute Voraussetzung.

Vor allem, da es auch dein Ziel sein soll, möglichst regelmäßig eine Show durchzuführen.
Wenn dann auch schon seine/ihre Eigenwerbung im Laden bei Stammgästen läuft, umso besser.

Door Deal, Budget oder Hut?  

Natürlich soll sich das Ganze auch für dich bzw. deine eingeladene Comedians lohnen. 
Die Konditionen, die du mit deinen neuen “Geschäftspartnern” ausmachen kannst, richten sich nach einigen Punkten:

  • Welche Art der Show soll es sein? 
  • Wie groß ist das Line up?
  • Was muss ich den Comedians (mind. an Fahrgeld) zahlen?
  • Wie viele Plätze können in der Location besetzt werden?
  • Mit wie vielen Zuschauern rechnet ihr? 
  • Was gibt es für weitere Ausgaben, z.B. Technik, Werbung, Flyer, Poster, etc?

Die Art der Show bestimmt, wie viel Eintritt man nehmen kann. 

Bei einem Open Mic wird man nur wenig bis kein Eintritt nehmen können, da die Leute sich ja als Versuchskaninchen für Gags quasi zur Verfügung stellen.
Dafür werden hier in der Regel auch keine Gagen bezahlt – Bühnenzeit zum testen ist hier die Währung.
Für weiter angereiste gibt es vielleicht maximal einen Fahrtkostenzuschuss.

Bei einer Mix-Show, in der “safe”, also mit sicherem Material von erfahrenen Comedians gespielt wird, kann man schon höher ansetzen. Am besten vergleichst du dafür mal die Shows in anderen Städten und deren Preispolitik.
Hier wirst du dann natürlich auch entsprechende Gagen zahlen müssen.
Das ist alles Verhandlungssache zwischen euch oder dir und der Agentur.


Die Arten von Shows, wie du ein Line-up zusammen stellst und was du alles als ModeratorIn beachten musst – dazu folgen bald weitere Artikel.

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Verlustgefahr minimieren – Shows mit Budget

Am einfachsten lässt sich in der Regel ein Open Mic gegen eine Hutspende organisieren.
Das Geld kann am Ende unter den Teilnehmenden aufgeteilt werden.

Allerdings musst du bedenken, ob es sich für Comedians auch lohnt in dein “Kaff” zu kommen. Wenn du weit draußen bist, dann ist das eher unwahrscheinlich, wenn kaum Leute kommen und am Ende des Abends dann zu wenig Hut ist. Auch hierfür brauchst du ein Netzwerk, denn es werden 8-10 Comedians á 7-10 Minuten Spielzeit benötigt, um den Abend zu füllen.

Eine Show ab 10 Euro Eintritt muss den Leuten auch was bieten – und das kostet natürlich.
Comedians, die mit sicherem Material zu dir kommen, möchten verständlicherweise eine angemessene Gage. Man hat schließlich hart an den Gags gearbeitet.

Einige Locationbetreiber werden dir vielleicht einen “Door Deal” anbieten. In der Regel im Verhältnis 80:20. Das bedeutet, dass du 80% der Ticket-Einnahmen behalten kannst und damit deine Show finanzierst. 20% bleiben im Haus.

Dafür sollte meiner Meinung nach aber auch alles von der Location geregelt werden und auch
z.B. die Technik gestellt sein.

Ihr könnt euch auch darauf einigen, dass Ticketeinnahmen komplett an dich gehen und dem Haus die zusätzlichen Einnahmen durch Getränke & Co. ausreichend sind.
Das könnte schon eher der Fall sein, wenn du eine Show in der Woche vorschlägst. 
Der Mehr-Umsatz an einem “schwachen Tag” kann dein Argument sein.

Vielleicht nimmt die Betreiberseite aber das Heft ganz in die Hand und stellt dir ein Budget zur Verfügung.
Dies hofft man natürlich durch Tickets und Getränke mehr als decken zu können. 

Mit einem festen Budget kannst du ganz unabhängig arbeiten und hast auch nicht das Risiko aus eigener Tasche drauf zu zahlen, wenn die Zuschauer ausbleiben.
Dieses Budget ist dann zwar sicher, aber anfangs auch eher gering.

Wenn das Ganze brummt, sollte es auch kein Problem sein, entsprechend anzuheben, 
um auch das Niveau zu halten.
Wenn es nicht klappt, dann ist das ganze Abenteuer leider auch schnell wieder vorbei.

Der Extra-Tipp zum Start deiner Shows:

Eine ganz sichere Nummer – öffentliches Budget

Wende dich direkt mit deiner Veranstaltungsidee an öffentliche Stellen – wie dem Kulturamt deiner Stadt, Stadtteilzentrum oder auch einem Jugend-bzw- Kulturzentrum. Hier hast du zum Einen gute räumliche Voraussetzungen und auch ein garantiertes Budget.

Der Clou: Diese Stellen suchen nicht selten nach Veranstaltungsprojekte und sie müssen damit auch keinen Gewinn machen.
Zwar wird das Budget hier auch nicht astronomisch sein und angepasst an die Erwartungen, aber es ist in jedem Falle sicher und du musst nicht befürchten, dass nach einer schlechter besuchten Show alles wieder eingestampft wird.  Das gibt etwas Planungssicherheit, Damit deine Show sich entwickelt.

Außerdem gibt es hier schon eine funktionierende Infrastruktur für die Verteilung von Werbematerialien und zur Presse. Fast immer arbeiten die Häuser auch mit Technikern vor Ort.

Ebenfalls nicht unerheblich: Bei dieser Zusammenarbeit trittst du nicht als Veranstalter auf.
Der ganze mögliche Papierkram, Vertrag oder Abgaben wie Steuer und Künstlersozialkasse wird hier mit übernommen.

Dies ist ein Punkt, der übrigens auch in allen anderen Locations vorab zwischen euch geklärt werden sollte,
Wenn sich also kein geeigneter Raum in deiner Stadt findet, dann empfehle ich dir also mal öffentliche Stellen als Anlaufpunkt.

Fazit

Es ist oft nicht schwer, Gastronomen zu finden, die selber Comedy mögen und gerne was Neues ausprobieren.
Nicht selten wird der Mut belohnt, sie anzusprechen. Sei aber sicher, dass du weißt, wovon du redest. Schaue dir andere Shows an, hole dir Inspiration. Auch Kontakte zu anderen KollegInnen solltest du schon haben.
Wenn alles passt, traue dich. Es wird niemand verletzt, wenn es mal schief geht. Immer noch besser, als es gar nicht erst zu probieren.

Fragen? Immer her damit!

Ich hoffe, ich konnte so erstmal ausreichend anreißen, was man bei der Konzipierung einer eigenen Show beachten sollte.

Natürlich gibt es hier noch viele Einzelfragen, die je nach Lage anders aussehen. Wenn du noch Hilfe brauchst oder mehr über ein spezielles Thema dazu wissen willst, dann schreibe mir hier in die Kommentare oder per Mail.

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